... Träume ... just dreams?

(das Musikbusiness betreffend (wahrscheinlich nicht nur...))

1) Die Einigung auf ein Standardformat für Files aller Arten, das außerdem verlustfreie Qualität bietet, Verzicht auf DRM (letzteres ist ja mittlerweile schon überall (?) wahr geworden).

2) Das Verständnis von Musik als Serviceleistung und nicht als Produkt (was auch im Sinne der Künstler wäre, die sich aus eigenem Interesse dafür auch einsetzen sollten, auch bei jenen gibt es unterschiedliche Ansichten, wie etwa Metallica, die zu den Klägern von Napster zählten, auf der anderen Seite aber etwa Michael Jackson und Einstürzende Neubauten, die für einen freizügigeren Zugang zu digitaler Musik plädieren (Becker, Birgit: Musikpiraterie in digitalen Räumen: Eine informationsethische Betrachtung. Saarbrücken: VDM, 2007. S. 39)). Für besonderes Service, etwa bessere Metadaten - Songtexte,  generell genauere und vollständigere Daten – sind Kunden, wie man aus Erfahrung weiß, auch bereit mehr zu zahlen.

3) Interessant wäre vielleicht auch die Kombination der Stores mit Musik-Suchmaschinen wie etwa „notify“ oder „audentify“ das ein Musikstück erkennt, wenn man es vorsingt oder pfeift oder wenn man es von einem externen Gerät vorspielt.

4) Das Grundbedürfnis Musik zu hören sollte mit einer leistbaren Flatrate abgegolten sein (wird ja vielleicht demnächst auf der Isle of Man Wirklichkeit). Prinzipiell sind die derzeit üblichen Berechnungen mit 0,99€ für einen Song und 9,99€ für eine CD weit überhöht für ein Medium, für das keine Herstellungskosten für das physische Medium, kein Zwischenhandel, Einzelhandel, keine Transportkosten und Lagergebühren anfallen und das eine erwiesenermaßen schlechtere Qualität hat als eine CD. Für eine leistbare Flatrate hat sich z.B. auch die Songwriters Association of Canada (für 5$ pro Monat) (http://www.songwriters.ca/studio/proposal.php (4.3.2009)) ausgesprochen, auch Universal Music-Chef Doug Morris (der damit die Dominanz von Apple brechen will)  plädiert zum selben Preis dafür (http://www.businessweek.com/magazine/content/07_43/b4055048.htm (4.3.2009)). Verhandlungssache wäre natürlich wie eine solche „Kultur-Flaterate“ jeweils auf einzelne Künstler zu verteilen wäre.

5) Öffnung und Digitalisierung der Backup-Kataloge der Plattenfirmen!!!! (wer weiß welche Schätze da noch zu entdecken wären...)

6) Ein Urheberrechtsschutz, der spätestens mit dem Tode des Inhabers endet, so dass nicht meine Enkel den Enkeln eines Künstlers Abgaben zahlen müssen (ein Copyright ist im Prinzip einem Patent vergleichbar, dieses wird für maximal 20 Jahre vergeben). Dies scheint mir eine offensichtlich heikle Frage des Selbstverständnisses von Künstlern zu sein (gibt es diesbezüglich Stellungnahmen von Künstlern?).

Dies ist natürlich auch eine Frage von Besitztum an sich, Kapitalismus, Egoismus ... und gehört damit zu den Tabu-Themen unserer Zeit.

 

Frage: Steht einem alles, was einem möglich ist zu bekommen (weil es das Recht so vorsieht oder weil man alle Tricks einsetzt mögliche Einschränkungen zu umgehen oder nur weil die Gelegenheit günstig ist oder auch einfach nur weil man es geschenkt bekommt) auch wirklich zu? Muß man wirklich ALLES haben? Muß man wirklich alles HABEN? ... wohl eine Frage des eigenen Gewissens ... vielleicht auch eine Frage des Mutes sich gegen den Zeitgeist zu stellen, Abschied zu nehmen von der Vorstellung wer mehr hat ist auch mehr, Abschied zu nehmen von der Vorstellung dass diejenigen, die sich am lautesten bemerkbar machen (und am lautesten sind diejenigen in den Medien), am meisten zu sagen haben ...

 

7) Den unseligen Ansatz, dass jeder Store in allen Ländern jeweils extra vertreten ist, abschaffen. Er führt den prinzipiellen Anspruch des Internets, die weltweite Verfügbarkeit, ad absurdum. In Zeiten der Globalisierung und der Kreditkarten und einem Medium, für das keine Transportwege (außer der Internetverbindung selbst, für die sowieso bezahlt werden muss) anfallen verstehe ich dieses Prinzip eigentlich überhaupt nicht. Es ist ja auch sonst möglich, etwas aus den USA zu bestellen, warum kann ich in Europa keinen Song bei Rhapsody oder amazon.com herunterladen, in Österreich nicht einmal von Napster.de?

8) Metadaten, die alle Daten, die es zu einem File gibt, enthalten – Komponisten, Texter (wichtig: als eigene Kategorie), mitwirkende Musiker, Aufnahmedatum, erstes Veröffentlichungsdatum, digital remastered?, Produzent, Aufnahmestudio, Label, die Geschichte hinter dem Lied, Liedtexte, Noten und und und…

9) Eine bessere Erfassung der Daten in allen Arten von Katalogen, besonders aber auch im Windows Mediaplayer oder iTunes (es wäre schon fein, wenn man die Vorteile des Mediaplayers mit den Vorteilen von iTunes verbinden könnte und man die verschiedenen Unzulänglichkeiten der Player beseitigen könnte). Fein wäre es auch wenn man eigene Felder generieren könnte mit eigenen Parametern (wenn es schon KEIN Anbieter schafft einen Player zu schaffen der keine Unzulänglichkeiten hat) ... Bitte, Apple, Microsoft, Open-Source-Programmierer!!!

10) Die Möglichkeit in Katalogen sinnvolle Suchkriterien zu kombinieren um nicht 90% sinnlose Treffer zu erhalten. Es ist schon klar, dass Firmen vor allem verkaufen wollen und einem offenbar auch das anzeigen wollen was man gar nicht gesucht hat, aber ich habe auf diese Art und Weise so gut wie nie etwas ungeplantes gekauft, aber vielleicht schon oft nicht gefunden was ich gesucht habe (weil dies dann vielleicht erst auf Seite xx aufgelistet war). Auch dieses Problem betrifft alle Arten von Katalogen, auch Bibliothekskataoge, speziell möchte ich vielleicht Amazon und den iTunes store erwähnen, in letzteren kann man z.B. in das Suchfeld nicht einmal etwas Kopiertes einfügen sondern muß immer alles extra tippen.

11) Eine Preispolitik, bei der es nicht nur ums abzocken geht! Für ein Produkt, das erwiesenermaßen eine schlechtere Qualität hat wie eine CD oder auch eine LP, mit wesentlich geringerem Infomaterial, für das wesentlich geringere Kosten in der Distribution anfallen, wobei obendrein die Kosten für Speicherplatz in den letzten 10 Jahren massiv gefallen sind, gleich viel oder sogar mehr zu verlangen ist ...! Anfang 2009 hat Apple angekündigt dass die Preise für manche Files höher werden (um 30%!), dafür aber andere billiger würden (bis dahin alle Titel um 0,99). Eine kurze Stichprobe zeigt die Situation im Jänner 2011: Lady Gaga: nahezu alle Titel um 1,29. Tampa Red: von beinahe 1,000 Titeln gezählte 29 Titel um 0,69, 4 Titel um 1,29, der Rest 0,99. Mamie Smith (hier sind vielleicht auch schon Urheberrechte weggefallen!) alle Titel um 0,99 €. (Früher konnte man auch in den iTunes Stores anderer Länder schnuppern, damals waren die $-Preise gleich hoch wie die €-Preise, was einen deutlich höheren Preis in Europa bedeutet - derzeit habe ich keine Vergleichsmöglichkeit). Lage bei Amazon (.de und .com): Lady Gaga: 0,97-0,99 €, meist 0,99 bis 1,29 $ (MP3-Album gleich teuer bis ein wenig billiger, als Einzeltitel gekauft deutlich teurer! als die CD). Tampa Red um 0,84-0,99 €, 0,69-0,99 $ (im Fall bestimmter Labels ist der Download ganzer Alben deutlich billiger als die CD). Mamie Smith 0,77-0,98 € oder alle Titel um 0,99 $. Ich finde es eigentlich erstaunlich, dass der legale Markt für MP3-Download überhaut wächst. Ich persönlich kaufe MP3s gelegentlich, kaufe aber nach wie vor lieber CDs (vor allem aber aus Gründen der besseren Qualität (rippe auch in besserer Qualität als die angebotenen MP3-Downloads) und wegen der erhofften Information in Booklets)

Nachsatz: Ich habe in dieser Arbeit zwei Aspekte zum Thema der digitalen Musikangebote nur gestreift: Den rechtlichen und den ethischen Aspekt. Beide Aspekte sind nicht in Kürze abzuhandeln und wären eine eigene Arbeit wert. Zur rechtlichen Sichtweise gibt es zahlreiche Literatur, vor allem im Internet selbst. Das Urheberrecht bzw. Copyright (was nicht wirklich dasselbe ist) stellt sich vor allem auf die Seite der Urheber, deren Rechte verteidigt werden sollen (die selbst „Musikpiraten“ ja nicht prinzipiell in Frage stellen). Die ethische, speziell informationsethische Seite steht bislang noch im Schatten der Diskussion. Die gesellschaftlichen Umbrüche lassen aber eine heiße Debatte, wie sie in der Bioethik schon länger zu recht stattfindet, höchst notwendig erscheinen, immerhin ist das Recht auf Information und Privatsphäre auch in den Menschenrechten verankert und wird für eine kleine Zahl an Unternehmen mit Füßen getreten. Als fundierte Einführung in dieses Thema kann ich Birgit Beckers Buch „Musikpiraterie in digitalen Räumen“ nur wärmstens empfehlen. Christian Handke, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humboldt-Universität Berlin: „Wenn ein verschärfter Urheberrechtsschutz für SonyBMG gut ist, muss dies noch lange nicht für kleinere Plattenfirmen, Künstler oder Konsumenten gelten. Politische Entscheidungsträger sollten keine Maßnahmen ergreifen, ohne die Interessen aller betroffenen Gruppen zu berücksichtigen“. (Handke, Christian: Indies im Aufwind? S. 68 in: Musikwirtschaft und Medien : Märkte – Unternehmen – Strategien / Hrsg. Beate Schneider… München, 2007)

Anmerkung: Derzeit läuft in der EU eine Gesetzesinitiative die Schutzfristen für Tonträger von 50 auf 95 Jahre hinaufzusetzen (http://www.heise.de/newsticker/EU-Kommissar-will-Urheberrechtsschutz-fuer-Musiker-verlaengern--/meldung/103529 (8.3.2009)). Vor allem die romanischen Länder plädieren dafür, Großbritannien, Deutschland, Österreich werden aller Wahrscheinlichkeit dagegen stimmen … Untersuchungen belegen, dass der Großteil der Musiker, vor allem Studiomusiker, die nur Einmalverträge bekommen, davon überhaupt nicht profitieren würden. Wer würde also wohl in erster Linie profitieren???

 

Epilog:

Musik ist eine heilige Kunst ... zu versammeln alle Arten von Mut ... (Komponist in Hugo von Hofmannsthal / Richard Strauss 's Ariadne auf Naxos)

Musik ist eine heilige Kunst, vocal score